Entwicklung psychotherapeutischer ER-Konzepte und Methoden zur ER-Erfassung

Emotionsregulationsstrategien sind von zentraler Bedeutung für die psychische und körperliche Gesundheit und können nachweislich zur Steigerung von Wohlbefinden bzw. Abnahme von Psychopathologie/negativer Emotionalität eingesetzt werden (u.a. Aldao, 2010; Barnow, 2012).

Das von uns entwickelte Interventionsprogramm „Gefühle im Griff“ (Barnow, 2015; Barnow et al., 2016) vermittelt den TeilnehmerInnen der „Emotionsregulationsgruppe“, die wir regelmäßig an unserer Psychotherapeutischen Hochschulambulanz anbieten, systematisch spezifische Emotionsregulationsstrategien. Übergreifendes Ziel ist dabei Emotionsregulationsstrategien flexibel, effizient und adaptiv, d.h. abhängig von langfristigen Zielen und dem jeweiligen Kontext, einsetzen zu können.

Erste Daten konnten eine sign. Abnahme von dysfunktionalen Strategien wie Grübeln sowie eine sign. Zunahme von funktionalen Strategien wie Neubewertung und Akzeptanz durch die Teilnahme an unserem acht-wöchigen Gruppenprogramm zeigen. Damit einhergehend zeigte sich eine Abnahme der allgemeinen Psychopathologie (Barnow et al., 2014). Die Überprüfung der langfristigen Wirksamkeit mittels einer randomisierten kontrollierten Studie, ist in Planung.

Anhand des durch unsere Arbeitsgruppe entwickelten Heidelberger Fragebogens zur Erfassung von Emotionsregulationsstrategien (H-FERST; Barnow, 2014) können individuelle Emotionsregulationsprofile erstellt und Veränderungen in der Anwendung verschiedener ER-Strategien sichtbar gemacht werden. Basierend auf dem H-FERST entwickelt unsere Arbeitsgruppe zudem eine App im Sinne des Ecological Momentary Assessments (EMA) zur Erfassung von Emotionen und ER-Strategien im Alltag.

Es konnte gezeigt werden, dass es zu einer sign. Zunahme der Strategien Aktivität und Unterstützung, Akzeptanz und Neubewertung kommt, während der Einsatz von Grübeln, Vermeidung, Ablenkung und Unterdrückung des emotionalen Ausdrucks signifikant reduziert werden konnte.

Erläuterung der Abbildung: Effektstärken des Prä-Post-Vergleichs der im Heidelberger Fragebogen für Emotionsregulationsstrategien (H-FERST) erfassten Strategien (N=38). Als Maß für die ES wurde Cohen’s d berechnet, mit einem kleinen Effekt bei d=.2, einem mittleren Effekt bei d=.5 und einem großen Effekt bei d=.8. Pos. ES = Zunahme der Strategie; neg. ES = Abnahme der Strategie (Barnow, 2014).