Beschreibung

Entwicklungsprozesse und –faktoren der Emotionsregulation

Wie entwickelt sich Emotionsregulation? Was sind Risikofaktoren und schützende Faktoren?

Der Fokus dieses Forschungsschwerpunktes liegt auf der Untersuchung funktionaler und dysfunktionaler Emotionsregulationsprozesse (ER), deren zugrunde liegenden Mechanismen und damit assoziierten Risikofaktoren. Insbesondere interessieren wir uns dafür, wie sich ER über die Lebensspanne hinweg entwickelt und welche Faktoren und Mechanismen hierbei eine Rolle spielen. Die daraus resultierenden Erkenntnisse sollen helfen, Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu entwickeln, um einer psychopathologischen Entwicklung frühzeitig entgegenzuwirken.

Ein bedeutsames Projekt in diesem Bereich ist die Greifswalder Familienstudie, die auf einer großen bevölkerungsbasierten Untersuchung aufbaut (Study of Health in Pomerania (SHIP)). Insgesamt wurden in der Familienstudie 527 Eltern und 381 Nachkommen in einem longitudinalen Design über einen Zeitraum von 10 Jahren an drei Messzeitpunkten untersucht.

In bisherigen Analysen wurde unter anderem der Frage nachgegangen, ob psychische Störungen - welche mit einer dysfunktionalen ER einhergehen (u.a. Borderline-Persönlichkeitsstörung und Depression) - von den Eltern auf die Kinder übertragen werden können (Barnow, et al., 2013; Ulrich, et al., 2011).

Des Weiteren fanden wir, dass Temperamentsmerkmale wie Schadensvermeidung und "behaviorale Inhibition“ zu einer dysfunktionalen ER beitragen und sich dadurch das Risiko für spätere psychische Störungen erhöht (Izadpanah et al., 2016a; Izadpanah et al., 2016b). Zudem ergaben unsere Untersuchungen, dass Entwicklungspfade der Persönlichkeit – gemessen über 10 Jahre hinweg (vom Jugendalter bis zum Erwachsenenalter) - das emotionale Erleben im Alltag sowie verschiedene psychopathologische Symptome vorhersagen (Aldinger, et al., 2014).

Zusätzlich wird aktuell untersucht, inwiefern prä-, peri- und postnatale Risikofaktoren (wie z.B. eine ungünstige fötale Entwicklung, Geburtskomplikationen oder belastende Kindheitserfahrungen) mit späteren Problemen der ER in Zusammenhang stehen (Schwarze et al., in preparation). In einer Vorarbeit fanden sich Assoziationen zwischen pränatalen Risikofaktoren (wie mütterlichem Stress und mütterlichem Tabakrauchen während der Schwangerschaft) und affektiver Instabilität beim Nachkommen (Schwarze et al., 2013). Hierbei können frühe Programmierungseffekte zu dauerhaften Veränderungen in der Hirnentwicklung und der Entwicklung wichtiger psychoendokrinologischer Stellgrößen beitragen, welche langfristig mit ungünstigen Verhaltensänderungen assoziiert sind. Geplant ist aktuell eine Studie, in welcher der Zusammenhang zwischen frühen Risikofaktoren, einer dysfunktionalen ER und Psychopathologie unter Einbezug epigenetischer Mechanismen untersucht werden soll.

(Autorinnen: Shahrzad Izadpanah & Cornelia Schwarze)