Experimentelle und neuropsychologische Untersuchung von ER

Wie hängt Kognition und Emotion zusammen? Wie kognitiv ist ER? Was passiert im Gehirn während dieses Zusammenspieles?

1. Exekutive Funktionen und ER

Kognitive Regulations- und exekutive Kontrollmechanismen v.a. im präfrontalen Kortex (PFC) ermöglichen zielorientiertes und situationsadäquates Handeln. Maladaptive ER-Strategien werden definiert als Strategien, die nicht situationsadäquat eingesetzt werden und langfristig zu psychopathologischen Auffälligkeiten führen können. Exekutive Funktionen spielen eine wichtige Rolle für den Einsatz von situations­adäquater ER. Deshalb ist es wichtig die genauen exekutiven Mechanismen, die eine adaptive ER unterstützen, zu verstehen.

Unser Fokus liegt dabei auf folgenden exekutiven Funktionen: (i) kognitive Flexibilität, (ii) Inhibition, (iii) das Kaskaden-Modell zur kognitiven Kontrolle, (iv) Planung und Problemlösen und (v) Aufmerksamkeitsprozesse.

Erste Ergebnisse aus unseren früheren und laufenden Projekten zeigen, dass kognitive Instabilität den Einsatz von Neubewertung erleichtert (1). Ein weiterer wichtiger Befund ist, dass kognitive Flexibilität während Neubewertung mit Amygdala-Aktivierung negativ korrelierte (2). Darüber hinaus konnten wir beobachten, dass negative Stimuli weniger gut inhibiert werden als positive und neutrale Stimuli. Die Inhibition der negativen Stimuli führte außerdem interessanterweise zu einer verstärkten PFC-Aktivierung (3).

2. Gedächtnisprozesse und ER

Es scheint einen engen Zusammenhang zwischen Gedächtnis- und ER-Prozessen zu geben, z.B. (i) führt ein Arbeitsgedächtnis-Training zu einer Verbesserung der ER-Fähigkeiten, (ii) beeinflusst ER, wie Informationen im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden, und (iii) evtl. auch wie Emotionen beim Abruf erlebt werden. Die genauen zugrundeliegenden Mechanismen sind allerdings noch unverstanden. In einem weiteren aktuellen Projekt möchten wir den Zusammenhang mittels Verhaltens‑, neuro­bildgebenden, EMA- und Patientenstudien systematisch untersuchen. Ziel ist u.a. die Ausarbeitung eines Gedächtnis­trainings um die Entwicklung effektiverer und ökonom­ischerer psychotherapeutischer Behandlungs­methoden voran­zutreiben.

3. Neuronale Korrelate der ER

In früheren Bildgebungsstudien konnten wir zeigen, dass Patienten mit Läsionen im rechten PFC Defizite bei der ER-Strategie der Neubewertung zeigen. Die Schwere dieser Defizite hing hauptsächlich vom Ort der Läsion im PFC ab. (4; siehe Graphik 1). Weiterhin konnten behaviorale Inhibitionsdefizite bei PFC-Läsions­patienten die Verwendung von maladaptiven ER-Strategien im Alltag signifikant erklären (5). Diese Befunde unterstützen die Annahme, dass der PFC eine wichtige Rolle bei der Neubewertung spielt. In unserem aktuellen Folgeprojekt untersuchen wir deshalb spezifisch welche neuronalen Korrelate der ER-Strategie Akzeptanz im Vergleich zur Neubewertung zugrunde liegen.

(Autoren: Alessandra Bähr, Rosalux Falquez-Medina & Katrin Schulze)

Referenzen

  1. Zaehringer, J., Falquez, R., Schubert, A.L., Barnow, S., (under review). Neural correlates of reappraisal considering working memory span and cognitive flexibility. Brain Imaging and Behavior
  2. Falquez, R., Lang, S., Dinu-Biringer, R., Nees, F., Arens, E., Kotchoubey, B., ... & Barnow, S. (2016). On the relationship between negative affective priming and prefrontal cognitive control mechanisms. Cognition and Emotion,30(2), 225-244.
  3. Falquez, R., Couto, B., Ibanez, A., Freitag, M. T., Berger, M., Arens, E. A., ... & Barnow, S. (2014). Detaching from the negative by reappraisal: the role of right superior frontal gyrus (BA9/32). Frontiers in behavioral neuroscience, 8, 165.
  4. Falquez, R., Dinu-Biringer, R., Stopsack, M., Arens, E. A., Wick, W., & Barnow, S. (2015). Examining cognitive emotion regulation in frontal lobe patients: The mediating role of response inhibition. NeuroRehabilitation, 37(1), 89-98.